Heute auf der Rebcam- Der höchste Weinberg Europas und der trockenste der Schweiz

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Die Verteilung der Rebwurzeln im Boden hängt vom Bodentyp und vom Klima ab. Die Hauptwurzelmasse befindet sich im oberen Bodenbereich, 40cm bis 100cm unter der Bodenoberfläche. Daneben bilden sich auch sehr tiefgehende Wurzeln, die mehr als 15 Meter tief in den Boden wachsen können. Diese Wurzeln dienen der Wasserversorgung während der Trockenperiode. Die Wurzeln wachsen aber nur so tief, wenn sie dazu gezwungen werden. Es werden keine tiefgehenden Wurzeln gebildet, wenn im ersten Meter immer genügend Wasser vorhanden ist.

Die Tärbina am höchsten Weinberg Europas gehört vom Klima her zu einem der trockensten Standorte der Schweiz. Wir befinden uns im inneralpinen Klimabereich, das heisst, der Einfluss des Föhns ist gross, die jährliche Niederschlagsmenge hingegen sehr klein (<600mm). 

Die Tärbina wächst an einer Hanglage, welche nach Südosten ausgerichtet ist. Die Rebe profitiert von einer optimalen Sonneneinstrahlung. Der schieferhaltige Boden gibt die gespeicherte Wärme auch während der Nacht ab und bringt die Trauben währenddessen so richtig zum Kochen. Der hohe Kiesgehalt und der schwache Ton- und Sandanteil, lassen das Regenwasser schnell versickern. Eine Bewässerung der Parzelle während der heissen Sommermonate ist daher unabdingbar, da es ansonsten eine Austrocknung der Rebe und somit der Trauben zur Folge haben kann.

 

Posted on July 15, 2018 .

Heute auf der Rebcam- Köpfen und Foltern im Rebbau

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Geköpft und gefoltert wurde im Mittelalter- nicht so im Walliser Rebbau

Die Eigenarten der Walliser Sprache zeigen sich auch im Rebbau. Unter Foltern verstehen wir das Erlesen. Unter Erlesen verstehen wir das Ausbrechen der Nebentriebe, der zu eng stehenden Haupttriebe und das Entfernen von Stockausschlägen, sofern diese nicht als zukünftige Reserven dienen sollen. Dank des Erlesens gelangen die mobilisierten Reserven in die Triebe, die wir stehen lassen und begünstigen deren Wachstum. Die Qualität der Trauben und die Holzreife hängen im wesentlichen von einer guten Laubarbeit ab. Das Ziel besteht darin, möglichst viel besonntes Laub zu haben. Schattenblätter leisten wenig bis nichts.

Unter Köpfen versteht wir Oberwalliser das Kappen oder auf gut deutsch das oben Abnehmen. Mit dem Köpfen soll verhindert werden, dass die überhängenden Triebe die bestehende Laubwand beschatten. Das Kappen fördert das Wachstum der Geizen und damit die Qualität der Trauben. Bei zu spätem Obenabnehmen entfernen wir eine grosse Laubmasse, die vergebens gewachsen ist und verhindern somit eine rechtzeitige Geiztriebentwicklung.

Bei der Tärbinä wurde letzte Woche geköpft und gefoltert. Die Trauben können sich nun ideal entwickeln. 

 

Posted on July 8, 2018 .

Heute auf der Rebcam- Die Funktion der Blätter bei den Reben

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Die Blätter- die Zuckerfabrik für die Trauben

Die zentrale Funktion der Blätter ist die Umwandlung von Lichtenergie in chemische Energie. Dieser Prozess findet mit Hilfe des Blattgrüns statt und heißt Photosythese. Es ist daher sehr wichtig, dass die Blätter nicht durch Pilzkrankheiten geschädigt werden. Die Assimilate die im Blatt gebildet werden, wandern über den Blattstiel und das Fruchtholz in die verschiedenen Organe der Rebe. Während der Vegetationszeit fliesst die Hälfte der Assimilate zur Triebspitze für das Wachstum. Die andere Hälfte fliesst nach unten für das Wurzelwachstum. Im Laufe der Entwicklung verschiebt sich die Trennzone immer weiter nach oben, so dass während der Reifezeit der grösste Teil der Assimilate nach unten zu den Trauben und den Reserveorganen transportiert werden. 
Gesunde junge Blätter brauchen wir also, um die bestmögliche Zuckereinlagerung in die Trauben zu gewährleisten.  Ein dem Verhältnis zum Traubenbehang angemessene Blattwand ist somit  wichtig für die Qualitätsproduktion. 

 

Posted on June 24, 2018 .

Die Befruchtung der Eizelle

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Wie beim Menschen steht zu Beginn jeder Schwangerschaft ein befruchtetes Ei. Die Fortpflanzung der Trauben geschieht in den Morgenstunden bei steigenden Temperaturen. Die Käppchen der Kronblätter der zwittrigen Blüten öffnen sich. Dabei werden die Staubbeutel aufgerissen und  entlassen eine Pollenstaubwolke. Ein keimendes und auserwähltes  Pollenkorn wandert durch den Pollenschlauch in die Eizelle.  Das Ei ist befruchtet- das Wachstum der Beere kann beginnen. 
Wie beim letzten Blog hingewiesen, ist die Blüte der Rebe physiologisch labil und neigt zur Verrieselung, d.h. nur etwa die Hälfte der Blüten entwickeln sich zu Früchten. Die Verrieselung  ist sortenabhängig aber auch kalte Temperaturen, Bormangel  oder der Einsatz von Kupfer beim Pflanzenschutz kann die Verrieselung fördern.
An der Tärbina ist die Befruchtung abgeschlossen. Die Beeren beginnen nun zu wachsen, der neue Jahrgang entsteht. 

Posted on June 17, 2018 .

Das Geschein wird sichtbar

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Die verschiedenen phänologischen  Entwicklungsstadien der Weinrebe  werden in einem sogenannten BBCH Skalenwert aufgeführt.
BBCH = Bundesanstalt, Bundessortenamt und Chemische Industrie
Einer dieser Entwicklungsstadien ist die Bildung der Gescheine. Botanisch gesehen ist das Geschein der Rebe keine Traube, sondern eine Rispe. Je nach Sorte und physiologischem Zustand der Rebe findet man 1-4 Gescheine pro Trieb. 

Als Geschein wird im Weinbau der längliche, rispenartige Blütenstand der Weinrebe bezeichnet. Jedes Geschein hat eine Vielzahl von Knospen, aus denen während der Rebblüte einzelne Blüten entstehen. Je nach dem Grad der Verrieselung (Befruchtungsstörung) werden aus den befruchteten Blüten eines Gescheines Weinbeeren gebildet, die zusammen eine Traube ergeben.

Die Seitenachsen am Geschein werden auch als Schultern bezeichnet. Wir konnten oft beobachten, dass diese Schultern später verblühen und die Entwicklung immer den Beeren der Hauptachse nachhinken. Daher werden bei der Qualitätsproduktion diese Schultern später im Rahmen der Ertragsregulierung gezielt entfernt.

Posted on June 10, 2018 .

Der offene Boden- Made im Wallis

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Zu meines Großvaters Zeiten pflegte man zu sagen: "Jedes Bodengrün im Rebberg ist der Feind des Winzers." Die meisten Böden in den Steillagen des höchsten Weinberg Europas sind offen, d.h. ausser den Reben wachsen hier keine Pflanzen. Durch die starke Trockenheit ist es schwierig, eine geeignete Flora aufzubauen, die das ökologische Gleichgewicht unterstützt. Es gibt zwar Pflanzenmischungen für den Rebbau aber die Erfahrung hat gezeigt, dass sich wegen der Trockenheit nur die Gräser durchsetzen, welche schliesslich gemäht werden müssen. Das Mähen in den oft engen Reihen ist aber mühsam und es besteht die Gefahr, dass dabei auch die Reben verletzt werden. Der Nachteil an dieser Art der Bewirtschaftung ist, dass durch die Offenhaltung den Böden der natürliche Stickstoff fehlt. Dieser muss Ende Jahr, den Böden von Hand  wieder zugegeben werden. 

Der Trend geht aber dahin, dass bei Neupflanzungen meist auf die Drahterziehung im Terrassenbau umgestellt wird. Hier wird eine Begrünung gefördert, weil sonst die Böschungen durch Erosion geschädigt werden. Die Reihenabstände sind grösser und es ist mehr Platz vorhanden, um die Grünflächen zu mulchen bzw. zu mähen. 

Posted on June 3, 2018 .

Mutter Natur sorgt vor

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Die Knospen sind die Grundlage jedes Triebes. Diese Knospen werden während des Sommers gebildet. Die Fruchtbarkeit sowie die Anzahl der Blühten eines Auges werden also bereits im Vorjahr festgelegt. Jede Knospe besteht aus einem Hauptauge und zwei Nebenaugen. In diesen Augen sind alle Zellen des neuen Triebes enthalten. Mutter Natur hat hier ein cleveres System entwickelt. Treibt nämlich das Hauptauge nicht aus oder werden die Triebe durch schwierige Witterungsverhältnisse abgerissen, so übernimmt  eines der beiden  Nebenaugen die Aufgabe. Bei der Tärbina haben einige Hauptaugen nicht ausgetrieben. Gut zu sehen am unteren Zapfen. Es scheint, als hätte sich die Tärbina nun an die Kamera gewöhnt. Sie ist bemüht den Vegetationsrückstand wieder aufzuholen. 

Posted on May 27, 2018 .

Wenn du dich nicht gern fotografieren lässt.

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Ich war heute in der Rebparzelle bei der Tärbina. Die Rebe wächst auf einer Höhe von 1150 m.ü. M im höchsten Weinberg Europas in Visperterminen. Dies ist in meinen Augen der schönste Punkt im ganzen Rebberg. Bei schönem Wetter sieht man die Spitze des Matterhorns. Auf dem Bild gut erkennbar, wie weit die Triebe der Nachbarreben bereits gewachsen sind. Es scheint, als sei die Tärbina etwas Kamerascheu. Ihre Triebe sind noch klein und es haben sich noch nicht alle Augen ausgebildet. Hoffen wir nun, dass sie diese Hemmungen bald ablegen wird und den Wachstumsrückstand wieder aufholt.

Posted on May 16, 2018 .

Die Tärbina erwacht aus dem Winterschlaf

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Zwischen Juni und September bildet sich die Winterknospe und damit die Grundlage des Triebes für das folgende Jahr. Jede Winterknospe besteht aus einem Hauptauge und zwei Nebenaugen. In diesen Augen sind alle Zellen des neuen Triebes enthalten. Die Fruchtbarkeit sowie die Anzahl der Blühten eines Auges werden also bereits im Vorjahr gebildet..
Das Hauptauge hat ausgetrieben und die ersten kleinen Blätter werden sichtbar.  Ein zu dieser Jahreszeit jederzeit möglicher Frost kann die jungen Triebe gefrieren lassen. Mutter Natur hat hier vorgesorgt und hat zu jedem Hauptauge noch zwei Nebenaugen platziert. Fällt der Haupttrieb aus, kann also immer noch ein Nebentrieb die Aufgabe übernehmen. Wird es aber so kalt wie im Frühjahr 2017, so fallen auch die Nebentriebe weg und der Ertrag ist gleich Null.
Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr ohne grössere Schäden den 15. Mai und somit die Eisheiligen  überstehen.

Posted on May 11, 2018 .

Die TÄRBINA , eine Savagnin Blanc Rebe

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Die TÄRBINA , eine Savagnin Blanc Rebe, wächst in Visperterminen, im höchsten Weinberg von Europa.  Im deutschsprachigen Raum wird der Wein der daraus gekeltert wird Heida und in der französischen Schweiz Pàien genannt. Ihr typischer Rebschnitt, genannt  Goblet , ist im Wallis einzigartig und häufig anzutreffen.  Der Heida hat in Visperterminen eine lange Tradition. Erfahren Sie mehr über die verschiedenen Vegetationszyklen und der Weg vom Geschein bis zur  reifen Traube.

Posted on May 8, 2018 .

Wir präsentieren die erste Rebcam in der Schweiz!

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Unter dem Namen «Tärbina» veröffentlichen wir den gesamten Entstehungsprozess unserer Reben von Frühling bis spät in den Herbst. Hier erfährst du viele Insights und Wissenswertes rund um die Entstehung von Trauben. Die besondere Lage des Rebbergs in Visperterminen macht die Geschichte umso interessanter. «Tärbina» bedeutet im Walliser-Dialekt so viel wie «Die Visperterminerin». 

Posted on May 7, 2018 .